Studieren in Wien: Expectations vs. Reality

Vor der Hauptbibliothek auf einen Platz lauern, um im Harry-Potter-Style die Seminararbeit zu schreiben, im Frühling bei Sonnenuntergang in der alten Donau schwimmen und am Steg so tun, als würde man lernen – der Wiener Flair, der hat schon was.

800 Studenten Wiens haben uns erzählt, wie sie sich ihr Unileben einst vorgestellt haben und wie nun die Realität für sie aussieht. Die Themen, die uns alle am meisten zu beschäftigen scheinen, haben wir hier für euch mit einer kleinen Portion Sarkasmus zusammengefasst!

Erwartung: In Mindeststudienzeit studieren? Kein Problem!
Realität:

Studieren in Regelstudienzeit ist und bleibt für viele von uns ein großer Mythos. Der Hauptgrund dafür ist wohl der spektakuläre univis-Pokerabend. Bei diesem leicht eBay-liken Anmeldesystem der Uni Wien ist nämlich Punktesetzen angesagt, wobei „All-In-Gehen“ meist nur für Wartelistenplatz 371 reicht. Wenn dann noch sieben LVs (vollkommen unangekündigt) alternierend sind und der Rest der Kurse am Mittwoch von 12:30 bis 14:00 stattfindet, heißt’s schnell: „Ich habe heute leider keine Mindeststudienzeit für dich.“

Aber geben wir’s zu, es happert meist auch an der eigenen Organisation. Von der Topmotivation zum Semesterstart, als wir noch all unsere Unisachen à la Pinterest sortiert haben, bleibt nach spätestens einer Woche nicht viel übrig. Ist das Seminar jetzt am NIG oder am Campus? Letzte Woche war Anmeldephase?! Hamma Sommer- oder Wintersemester? Weiß keiner so richtig. Auch im Prokrastinieren sind wir Weltmeister: Alles aufschieben, kurz vor den Prüfungen in tiefe Depressionen verfallen und Vier Gewinnt ist urplötzlich unser neues Lieblingsspiel. In der Umfrage gab übrigens die Hälfte der Studenten an, sie würden mit Sicherheit nicht in Mindeststudienzeit fertig werden. Ihr seid also nicht allein!

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Erwartung: VO „Psychology and Crime“
Realität: VO „Tische und Stühle in der neueren deutschen Literatur“

Die Vorstellung, ab dem Studium nur mehr das lernen zu müssen, was einen wirklich interessiert, ist im Nachhinein gesehen… süß. Stolze 97,7% gaben in der Umfrage an, dass bei ihrer Studienwahl das Kriterium „Interesse“ von größter Bedeutung war. Danke an dieser Stelle an Google für die Aufklärung:

Wie sieht es in Wirklichkeit aus? Für die VO „Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens“ mit Brockhaus-Skript gönnt man uns satte 1 ECTS. Jetzt bitte alle im Chor: Tiere streicheln an der BOKU? 3 ECTS! Dank Orchideenfächern wie dem Forschungsseminar „Andreas Gabalier“, Exkursionen zur Moosbestimmung und Glasbläserkursen ist das VVZ schnell ausgefallener als Trumps Lager an alternativen Fakten.

Hier erfährt ihr mehr über die kuriosesten Studiengänge an Wiener Universitäten.

P.S.: Die Vorlesung zu den Tischen und Stühlen gibt’s wirklich, Studiengang „Deutsche Philologie“.

Erwartung: Schnitzel, Kaiserschmarrn und Sachertorte. Jeden Tag.
Realität: Nudeln mit Reis. Und Nudeln. Jeden Tag.

Täglich Palatschinken und Schnitzel mit Kartoffelsalat? No chance. Denn als „on a shoestring budget“-lebender Student ist unsere Auswahl leicht eingeschränkt. Da gibt’s schon mal häufiger Nudeln mit Pesto. Da aber keiner von uns eine richtige Portionsgröße abschätzen kann, muss man an den zwölf Folgetagen dann halt nochmal Pasta essen. Es bleibt uns aber auch nicht viel anderes übrig, wenn an der Audimax-Mensa fast täglich Auflauftag ist…

Erwartung: Studieren, nebenbei arbeiten und Geld für die Zukunft sparen
Realität: Unikurse sind über den ganzen Tag gesprenkelt wie Konfetti

Auch das kennen wir alle: Wir nehmen uns vor, wenigstens geringfügig zu arbeiten, damit wir nicht nur aus Mamas und Papas Geldbörserl leben, so wie das 84% der Teilnehmer der Umfrage tun (obwohl wir das Geld dann eh nur fürs Fortgehen und Reisen ausgeben, aber darum geht’s ja jetzt hier nicht). Gut, schau’ ma auf studentjob.at und geht schon. Dann schleicht sich jedoch die Uni ein wie ein schwarzer Kater um Mitternacht und versaut dir einfach alles. Denn wenn’s gut läuft, weißt du zwei Minuten vor Kursbeginn, welche LVs du dieses Semester hast und die sind dann meist so über den ganzen Tag verteilt, dass du ja keine Schichten einbauen kannst. Und die Umfrage zeigt: Fast 50% aller Teilnehmer stehen 150-600€ pro Monat zur Verfügung.

make it work: Irgendwo auf unserer Website verstecken sich Studenten-Gutscheine. Sollen angeblich extrem schwer zu finden sein.

Erwartung: Freunde fürs Leben finden in der Willkommenskultur Österreich
Realität:

Freunde zu finden während dem Studium ist meist gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Plötzlich ist man fast fertig (man glaubt es kaum, aber irgendwann kommt es zu dem Punkt) und hat nur Semesterbekanntschaften gemacht. Wenn dann im Studentenwohnheim jedes Monat neue Leute im Stockwerk einziehen und sich dein Projektpartner nach Arbeitsabgabe auf einmal mehr für sein Schuhband als für dich interessiert, ist es auch nicht einfach, neue Freundschaften zu knüpfen. Die meisten Umfrageteilnehmer gaben übrigens an, sie wären nur „mit wenigen“ aus ihrem Wohnheim befreundet.

So, jetzt aber genug vom Wiener Grant – sind wir doch froh darüber, was Wien für unser Studentenleben alles zu bieten hat. Immerhin würden sich zwei Drittel aller Umfrageteilnehmer noch einmal für unsere wunderschöne Hauptstadt als Studienort entscheiden. Das ist doch was!

Scheiß auf Harvard, Cambridge oder London. In Wien wohnst, lebst und studierst du in der schönsten, humorvollsten und gemütlichsten Stadt der ganzen Welt. Time of my life oder so.“ – Ein Umfrageteilnehmer

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