Schultasche, Jausenbox, Stundenplan? Mit diesen Vorurteilen haben FH Studenten zu kämpfen

„Du bist Schüler, kein Student!“

Seitdem ich auf der FH Wien Journalismus & Medienmanagement studiere, werde ich immer häufiger mit den dabei aufkommenden Vorurteilen konfrontiert: Meine Freunde fragen mich wo meine Schultasche bleibt, ob ich auch genug Jausengeld dabeihabe und wann der nächste Wandertag stattfindet.
Einzig und allein Personen, die ebenfalls an einer FH studieren, können verstehen, dass es eine ernstzunehmende Form des Studierens ist.

 

„Wann habt ihr denn eure Kennlerntage?“

Was von vielen belächelt wird, birgt in Wirklichkeit vor allem zu Beginn deiner Studienzeit einen riesen Vorteil. Während Uni-Studenten oft mit 1000 Anderen um die begehrten Plätze im Audimax kämpfen müssen, beschränkt sich die Personenanzahl in einer FH Klasse oftmals auf 20-40 Schüler. Durch die überschaubare Anzahl und den Unmengen an Gruppenarbeiten, wirst du fast gezwungen, dich mit deinen Mitstudenten zu unterhalten und zusammenzuarbeiten. Enge Freundschaften entstehen so in kürzester Zeit.

 

„Jeden Tag Unterricht wäre mir zu anstrengend, da ist man ja null selbstständig.“

Zwar sind sämtliche Termine, Deadlines und der Stundenplan vorgegeben, dennoch muss sich jeder FH-Student seine vorlesungsfreie Zeit so einteilen, dass sich alle Aufgaben miteinander koordinieren lassen. Und das pünktlich bis zum (ersten) Abgabetermin.
Das Bib-Lernen, welches in den Wochen vor der Prüfungswoche das Leben der Uni-Studenten dominiert, gibt es an einer FH nicht. Denn die Zeit, jeden Tag mehr Stunden in der Bib als zuhause zu verbringen, fehlt. Durch die Vorgabe von einer Mindeststudienzeit und 30 ECTS pro Semester, kannst du also davon ausgehen, dass dir ein FH-Studium drei freizeitlose Jahre garantieren wird.

 

„Das hat nichts mit Studieren zu tun, ihr geht auf eine Schule“

„Schüler raus!“ – solche Worte sind auf Jodel keine Seltenheit. Dass dabei oftmals FH-Studenten angesprochen werden, ist einem weiteren Vorurteil zuzuschreiben:
Die Parallelen zur Schulzeit sind bei der FH wohl kaum zu übersehen. Dabei bringt genau das viele positive Aspekte mit sich. Deine Lehrer und Mitstudenten kennen dich beim (Vor-)Namen und im Laufe der Zeit entwickeln sich gewisse Beziehungen. An der Uni wiederum hast du keinen Namen, sondern eine Nummer. Und es kann vorkommen, dass du kein Gesicht ein zweites Mal siehst.

 

„Ihr lernt ja eh nix, 15 Seiten zur Prüfung ist ja ein Witz“

Zwar unterscheiden sich die Prüfungen einer Fachhochschule oftmals gewaltig in Umfang und Ausmaß von den gefürchteten Klausuren einer Uni, jedoch gleicht eine FH das mit zahlreichen Projekten und Gruppenarbeiten wieder aus. Sogar Hausaufgaben dürfen dabei nicht fehlen. Dennoch kommt es schlussendliche immer auf den Studiengang an, wie sich die Gewichtung zwischen Projektarbeiten und Prüfungen verteilt. Während also Uni-Studenten vor Prüfungswochen oft das klassische Bulimie-Lernen praktizieren, beschäftigen sich FH-Studenten in der Regel durchgehend mit kleineren Projekten und Gruppenarbeiten, die jede Woche anfallen.

Also ja, ich kenne all diese Vorurteile nur zu Gut. Aber da ich für fast jeden Schmäh zu haben bin, macht mir das nichts aus. Schlussendlich habe ich mich ja bewusst für eine FH entschieden und ich würde es auch wieder tun.

 

Leave a Comment